Laurence Balterartist with cameras

Lernen / Monochrom mit Rotfilter

Mit dem Rotfilter zur Monochromie

Eine Monochrom legt Sie auf Schwarzweiß fest. Ein Rotfilter ist der günstigste Weg herauszufinden, ob Ihnen dieser Look wirklich gefällt.

Ein Tiffen 52mm Red 25 Filter an einem Leica-Objektiv, dahinter der Hafen von Hongkong in Schwarzweiß, nur das rote Glas in Farbe
Mein Tiffen Red 25 über dem Hafen von Hongkong.

Kurz gesagt: Bevor Sie eine Leica Monochrom kaufen, schrauben Sie einen Red 25 auf Ihre jetzige Kamera, stellen Sie sie auf Schwarzweiß und fotografieren Sie zwei Wochen lang so. Wenn Sie plötzlich nach Wolken und rotem Backstein suchen, werden Sie sich mit der Monochrom zu Hause fühlen.

Warum eine Monochrom Farbfilter braucht

Ein normaler Sensor liegt unter einem Bayer-Filter: einem Mosaik aus roten, grünen und blauen Farbstoffen, die Hälfte davon grün. Jedes Pixel sieht nur eine Farbe, den Rest rekonstruiert die Software. Deshalb können Sie eine Farbdatei später in Schwarzweiß umwandeln und wählen, wie jede Farbe umgesetzt wird.

Eine Monochrom hat überhaupt keinen Farbfilter. Jedes Pixel erfasst die Helligkeit über das gesamte sichtbare Spektrum, was sie pro Pixel schärfer und etwa eine Blende empfindlicher macht. Der Haken: Eine rote Blüte und ein grünes Blatt, die gleich viel Licht reflektieren, werden zum gleichen Grau, und keine Bearbeitung kann sie trennen.

Bei einer Monochrom werden die Farben deshalb getrennt, bevor das Licht den Sensor erreicht: mit einem Filter vor dem Objektiv. Schwarzweißfilm funktionierte ein Jahrhundert lang genau so.

Die Optik eines Rotfilters

Ein Red 25 lässt rotes Licht etwa ab 600 nm durch und absorbiert den Großteil von Blau und Grün. Daraus folgt die Regel: Ein Farbfilter hellt seine eigene Farbe auf und dunkelt ihre Gegenfarbe ab. Rotes wird hell, Blaues und Grünes wird dunkel.

  • Der Himmel wird dunkel. Blauer Himmel ist Sonnenlicht, das an Luftmolekülen gestreut wird (Rayleigh-Streuung), am stärksten bei kurzen Wellenlängen: proportional zu 1/λ4. Blau bei 450 nm wird etwa sechsmal stärker gestreut als Rot bei 700 nm. Blockiert man das Blau, bleibt dem Himmel kaum Licht.
  • Wolken bleiben weiß. Wolkentröpfchen sind viel größer als eine Wellenlänge und streuen alle Farben etwa gleich (Mie-Streuung). Dunkler Himmel, helle Wolken: Das ist die Dramatik.
  • Die Ferne wird klarer. Dunst ist größtenteils gestreutes blaues Licht; filtert man es heraus, treten ferne Hügel und Skylines hervor.
  • Schatten werden tiefer. An sonnigen Tagen werden Schatten vom blauen Himmelslicht beleuchtet; der Filter dunkelt sie ab, und sonnige Szenen gewinnen an Kontrast.
  • Haut wird heller und glatter. Rote Hautunreinheiten verblassen, Lippen werden blass, blaue Augen dunkler. Schmeichelhaft für manche Gesichter, gespenstisch für andere.
  • Laub wird dunkler, weil Blätter grün sind. Geht man weiter zu einem 720-nm-Infrarotfilter, leuchten die Blätter plötzlich weiß: siehe die Infrarot-Lektion.

Der Zwei-Wochen-Test

  1. Schrauben Sie einen Red 25 auf Ihr meistgenutztes Objektiv.
  2. Stellen Sie das Bildprofil auf Monochrom, damit der Bildschirm Schwarzweiß zeigt. Fotografieren Sie zur Sicherheit in RAW.
  3. Lassen Sie ihn zwei Wochen drauf. Kein Abnehmen für „nur ein Farbfoto“.
  4. Stellen Sie sich am Ende eine Frage: Habe ich Farbe vermisst, oder habe ich aufgehört, sie zu sehen?
Was der Test zeigt und was nichtEr testet Ihren Geschmack, nicht die Bildqualität einer Monochrom. An einer Farbkamera bekommen die grünen und blauen Pixel mit Rotfilter kaum Licht, also stammt das meiste Bild von den roten, etwa einem Viertel des Sensors: Rechnen Sie mit mehr Rauschen und weniger Feinzeichnung. Sie könnten den Look später mit dem Rotkanal nachbauen, aber der echte Filter verändert, wie Sie fotografieren: Sie suchen Himmel, Wolken und roten Backstein, bevor Sie auslösen.

Bei einer Messsucherkamera blickt der optische Sucher nicht durch das Objektiv; er zeigt weiterhin Farbe, und Sie müssen sich das Ergebnis vorstellen. Ein gutes Training für eine Monochrom. Ein EVF oder Live-View zeigt das gefilterte Bild, wenn Sie möchten. Auf Film ist eine Rolle Schwarzweißfilm hinter einem Red 25 die Urform dieses Tests.

Belichtung und Fokus

  • Drei Blenden. Ein Red 25 kostet bei Tageslicht etwa drei Blenden: Aus 1/1000 s wird etwa 1/125 s. Die TTL-Messung gleicht das aus; prüfen Sie das Histogramm.
  • Fokus. Rotes Licht fokussiert minimal hinter blauem (chromatische Aberration). Mit einem Red 25 bei normalen Blenden sehen Sie das nicht; bei tiefroten oder Infrarotfiltern spielt es eine Rolle.
  • Mit einem ND. Kombinieren Sie Red 25 und ND für dunkle Himmel und Langzeitbelichtungen zugleich; achten Sie bei Weitwinkeln auf Vignettierung. Siehe Langzeitbelichtung Schritt für Schritt.

Die Schwarzweiß-Filterfamilie

FilterWirkung in SchwarzweißLichtverlust
Yellow 8Sanft abgedunkelter Himmel; der alte Film-Standard1 Blende
Green 11Helleres Laub, dunklere Hauttöne2 Blenden
Orange 21Kräftigerer Himmel, noch natürliche Haut2 Blenden
Red 25Dramatischer Himmel, weniger Dunst, glatte Haut3 Blenden
Red 29Fast schwarzer Himmel, ein Schritt zum Infrarot-Look4 Blenden

Typische Tageslichtwerte; prüfen Sie die Angaben des jeweiligen Filters.

Teilen Sie Ihre Rotfilter-Fotos: #TwoWeeksInRed

Machen Sie den Zwei-Wochen-Test? Ich würde ihn gern sehen. Verwenden Sie den Hashtag #TwoWeeksInRed, damit andere Leser Ihre Bilder finden; meine Favoriten zeige ich auf der Subscribers Photo Wall und in meinen Stories.

  • Auf Instagram, TikTok oder YouTube: Posten Sie Ihr Rotfilter-Bild mit #TwoWeeksInRed und markieren Sie @artistwithcameras.
  • Hier auf der Website: Reichen Sie es unten ein. Lassen Sie #TwoWeeksInRed in der Bildunterschrift und nennen Sie den verwendeten Filter.

Ich prüfe jede Einsendung, bevor sie erscheint.

Häufige Fragen

Sollte ich einen Rotfilter ausprobieren, bevor ich eine Leica Monochrom kaufe?

Ja. Eine Monochrom erfasst nur Helligkeit, also formen Sie ihre Tonwerte mit Filtern. Zwei Wochen mit einem Red 25 an Ihrer jetzigen Kamera, auf Schwarzweiß gestellt, zeigen, ob Sie gefiltertes Schwarzweiß lieben, bevor Sie sich auf eine Kamera ohne Farbe festlegen.

Warum macht ein Rotfilter den Himmel in Schwarzweiß dunkel?

Blauer Himmel ist an Luftmolekülen gestreutes Sonnenlicht, und diese Streuung ist bei kurzen Wellenlängen am stärksten (umgekehrt proportional zur vierten Potenz der Wellenlänge). Ein Rotfilter blockiert den Großteil des blauen Lichts; der Himmel liefert dem Sensor wenig Licht und wird dunkel, während weiße Wolken hell bleiben.

Braucht man Farbfilter an einer Monochrom?

Eine Monochrom hat kein Farbfilter-Array; ein Rot und ein Grün gleicher Helligkeit werden zum gleichen Grau und lassen sich später nicht trennen. Nur ein Farbfilter vor dem Objektiv trennt sie, genau wie beim Schwarzweißfilm.

Wie viele Blenden kostet ein Red-25-Filter?

Bei Tageslicht etwa drei Blenden (Filterfaktor 8): Aus 1/1000 s wird etwa 1/125 s. Prüfen Sie die Herstellerangaben und das Histogramm.

Was macht ein Rotfilter mit Haut und Laub?

Haut wird heller und glatter, rote Unreinheiten verblassen; Lippen werden blass, blaue Augen dunkler. Grünes Laub wird dunkler. Mit einem 720-nm-Infrarotfilter wird Laub dagegen weiß.

Was ist #TwoWeeksInRed?

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